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nestor Newsletter 08/2006 [21. März 2006]
Begrüßung
Wir freuen uns, Ihnen heute bereits den achten nestor Newsletter präsentieren zu können. Wir möchten Sie damit über Entwicklungen im Projekt nestor informieren.
Auf der Homepage des Projektes können Sie sich laufend über aktuelle Entwicklungen informieren.

Aktuelle Entwicklungen des Projektes

Ankündigung: nestor Workshop auf dem Bibliothekartag
Während des 95. Deutschen Bibliothekartages in Dresden (21.-24.3.2006) laden wir für den 23.3. um 10:30 Uhr zu einem nestor-Workshop ein. Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema "Archivierung von Internet-Publikationen und Web-Harvesting".
  • Prof. Dr. Andreas Rauber von der TU Wien beginnt mit einem Überblick zu "Web-Harvesting im Kontext digitaler Archivierung".
  • Lars Jendral vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz wird anschließend über die Aktivitäten deutscher Regionalbibliotheken berichten.
  • Ein interessantes Projekt zur archivischen Bewahrung institutioneller Netzressourcen wird Angela Ullmann vom Parlamentsarchiv des Deutschen Bundestages vorstellen.
  • Manula Queitsch (SLUB Dresden) thematisiert Organisation und Einrichtung eines Langzeitarchivs an der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.

Ergebnisse von nestor werden im zweiten Block des Workshops von den Projektpartnern präsentiert:
  • Dr. Heike Neuroth (SUB Göttingen) stellt die Ergebnisse des Arbeitspakets zur Erarbeitung einer deutschen Strategie zur Langzeiterhaltung digitaler Ressourcen vor.
  • Dr. Astrid Schoger (BSB) und Susanne Dobratz (HUB) stellen Kriterien für vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive vor, die eine nestor-Arbeitsgruppe unter Mitwirkung zahlreicher Experten vorlegen wird.
  • Herausforderungen an die Langzeiterhaltung multimedialer Objekte wird Dr. Stefan Rohde-Enslin (Institut für Museumskunde) erläutern.

Der Workshop soll die Aufgabenstellung "Langzeiterhaltung digitaler Ressourcen" aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und in der Diskussion die Anregungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die künftige Arbeit von nestor aufnehmen. Eine Benutzerbefragung, vorgestellt von Philipp Höhler (Die Deutsche Bibliothek), wird dieses Anliegen unterstützen.

Rahmenbedingungen für die Langzeitarchivierung - Aktivitäten für eine nationale Preservation Policy
In den letzten Monaten sind die Bemühungen des nestor Projektes um eine nationale Preservation Policy wesentlich vorangekommen:
Im Januar wurde eine nestor Expertise veröffentlicht (s.u.), in der die Autoren einen Beitrag zur Beschreibung der Rahmenbedingungen für die Langzeitarchivierung aus Sicht der Naturwissenschaften liefern.
Ebenfalls im Januar wurden die Ergebnisse einer nestor Befragung zu Sammelrichtlinien und Auswahlkriterien öffentlich vorgestellt. Basierend auf den Erfahrungen und Diskussionen im nestor Projekt, ergänzt durch Anregungen aus der UNESCO-Charta zur Bewahrung des digitalen Kulturerbes sowie aus Strategiepapieren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Aktuelle Anforderungen der wissenschaftlichen Informationsversorgung, 2004; Die deutschen Archive in der Informationsgesellschaft, 2003; Elektronisches Publizieren, 2005) hat die nestor Projektgruppe eigene Empfehlungen zu einer nationalen Preservation Policy entwickelt.
Die Ergebnisse von nestor wurden am 20.02.2006 der Fachöffentlichkeit während einer Veranstaltung im Bundesarchiv Koblenz vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Die Ergebnisse der Diskussion wurden in die Empfehlungen einbezogen und zu einem "Memorandum zur Langzeitverfügbarkeit digitaler Informationen in Deutschland" weiterentwickelt. Dieses Memorandum widmet sich in knapp zwanzig Artikeln unterschiedlichen Themenkomplexen der künftigen digitalen Langzeitarchivierung in Deutschland: Der "Verantwortung für die Langzeiterhaltung digitaler Informationen" (Finanzierung, Organisation, juristische Rahmenbedingungen etc.) ebenso wie Modalitäten der Auswahl, Verfügbarkeit und des Zugriffes. Hinzu kommen noch die Bereiche "technische Weiterentwicklung" und "Vernetzung und Professionalisierung". Die Veröffentlichung der endgültigen Version des Memorandums ist noch für das Frühjahr 2006 geplant.

Integration von PADI-Metadaten in die nestor Informationsdatenbank
Wie schon im nestor Newsletter Nr. 6 dargestellt, wurde im letzten Jahr ein Memorandum of Understanding zwischen der National Library of Australia und dem nestor Partner Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen unterzeichnet, das den Austausch von Metadaten zwischen dem PADI Subject Gateway und der nestor Informationsdatenbank ermöglicht.
Das nestor Projekt hat zum Bibliothekstag 2006 die Suche und Navigation in dem gemeinsamen Datenpool von PADI und nestor erstmals freigeschaltet. Die Nutzer der nestor Informationsdatenbank können festlegen, ob sie ausschließlich in den 473 nestor Datensätzen oder in den 2032 nestor und PADI Datensätzen recherchieren wollen. Die nestor Datensätze werden bilingual (deutsch-englisch) vorgehalten, die PADI Datensätze liegen ausschließlich in englischer Sprache vor. Alle Datensätze werden eindeutig gekennzeichnet, d. h. es ist jederzeit ersichtlich in welcher Datenbank welcher Datensatz vorgehalten wird.
Da die nestor Datensätze vorwiegend Ressourcen aus dem deutschsprachigen Raum beschreiben und die PADI Datensätze in der Mehrzahl Ressourcen aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum erfassen, besteht durch die Integration der Metadaten die Möglichkeit, sich schnell und einfach einen breiten Überblick über die nationalen und internationalen Entwicklungen im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung zu verschaffen.
Es ist beabsichtigt, die Metadaten der nestor Informationsdatenbank künftig auch in das Angebot des PADI Subject Gateways zu integrieren.

nestor Expertisen - Neuerscheinungen
Zum Jahresbeginn 2006 wurden weitere Expertisen in der Reihe "nestor"-Materialien veröffentlicht, in denen Fachleute aus verschiedenen Sachgebieten jeweils den aktuellen Stand in Wissenschaft und Forschung dokumentieren. Die Publikationen wurden von den "nestor"-Projektpartnern redaktionell betreut und stehen auf der Projekthomepage zum kostenlosen Download bereit. Die neuen Expertisen befassen sich mit den Themen
  • "Archivierung von E-Journals",
  • "Langzeiterhaltung multimedialer Objekte",
  • "Langzeiterhaltung wissenschaftlicher Rohdaten" und einer
  • "Nationalen Langzeit-Archivierungs-Strategie".

Gunnar Fuelle und Tobias Ott (pagina GmbH, Tübingen) erläutern in ihrer Studie mit dem Titel "Langzeiterhaltung digitaler Publikationen - Archivierung elektronischer Zeitschriften" Fragestellungen und Rahmenbedingungen der Langzeiterhaltung von "E-Journals". Ausgehend vom "Reference Model for an Open Archival Information System" (OAIS) befassen sich die Autoren mit der Frage, wie das OAIS-Konzept "Submission Information Package" - ein Paketformat für den Datenaustausch zwischen Produzenten der digitalen Objekte und dem Archiv - für elektronische Zeitschriften in die Realität eines produktiven Systems implementiert werden sollte. Ferner behandelt die Broschüre die Verwendung des "Metadata Encoding and Transmission Standard" (METS) beim Transfer von E-Journal-Beiträgen.

Mit den "Perspektiven der Langzeiterhaltung multimedialer Objekte" befasst sich die Expertise von Wolfgang Coy (Humboldt-Universität zu Berlin). Die Problematik stellt sich bei diesen ausgesprochen heterogenen Publikationsarten wesentlich komplexer dar als bei anderen Objekten, die oft lediglich die Eigenschaften ihrer "herkömmlichen" Vorgänger in digitaler Form aufweisen. Die Expertise vermittelt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Langzeiterhaltung multimedialer Objekte, die bisher noch nicht in eine gesicherte Strategie überführt werden konnten. Coys Empfehlungen basieren auf dem derzeitigen Stand der Kenntnis in der Forschung bei der Archivierung verschiedener Formate und Metadatentypen, sowie der Speichermedien und der Strategien zur Migration von Daten.

Um die Archivierung und langfristige Verfügbarkeit von Rohdaten aus wissenschaftlicher Tätigkeit und digital erfasste Forschungsdaten im Allgemeinen geht es in der Expertise "Langzeitarchivierung von Rohdaten" von Thomas Severiens und Eberhard R. Hilf. Neben praktischen Hinweisen zum Umgang mit digitalen Rohdaten in der Forschung weist die Untersuchung auch auf zukünftig notwendige Maßnahmen zum Erhalt dieser Ressourcen hin. Vor allem drängen die Autoren auf eine stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Fach- und Interessensbereiche in der digitalen Langzeitarchivierung.

Thomas Severiens und Eberhard R. Hilf (Institute for Science Networking Oldenburg) haben einen Beitrag zu einer nationalen Langzeit-Archivierungs-Strategie aus der Sicht der Wissenschaften geliefert. Die vorliegende Arbeit ist ein wichtiger Schritt zur Anregung und Diskussion einer nationalen deutschen Langzeitarchivierungs-Policy im Rahmen von nestor. Die Studie diskutiert Empfehlungen und Handlungsfelder und macht auch Vorschläge für erste Maßnahmen zur Umsetzung in struktureller und organisatorischer Hinsicht.

nestor-Umfrage
Seit Dezember 2005 führen wir auf der nestor Projekthomepage eine Umfrage durch, die uns Hinweise auf die Zufriedenheit der Nutzer mit den Angeboten von nestor geben soll.
Die Umfrage hat jedoch leider bis Ende Februar 2006 keine auswertbaren Ergebnisse erbracht. Wir führen dies auf die Komplexität des bisher verwendeten Fragebogens zurück, den wir nun durch einen komprimierten 7-Fragen-Katalog präzisiert und vereinfacht haben.
Wir bitten auch diejenigen, die sich bereits beteiligt haben, um eine erneute Teilnahme, damit wir ein konsistentes Ergebnis erzielen. Es ist uns wichtig, Ihre Bedürfnisse und die Erwartungen, die sie an das Kompetenznetzwerk nestor stellen, kennen zu lernen. Bitte nehmen Sie sich kurz Zeit und beteiligen Sie sich an unserer Umfrage, dazu klicken Sie bitte auf die folgende Graphik:

nestor Umfrage


Zwischenergebnisse der nestor AG Vertrauenswürdige Archive
Die nestor-Arbeitsgruppe "Vertrauenswürdige Archive - Zertifizierung" hat den Entwurf eines Kataloges von Kriterien für vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive entwickelt, der zur Orientierung und Selbsteinschätzung dienen kann und zukünftig die Grundlage einer Zertifizierung nach standardisiertem Verfahren bilden soll.

In einem Expertengespräch am 29.03.2006 an Der Deutschen Bibliothek wird der Entwurf des nestor-Kriterienkataloges einigen ausgewählten Experten vorgestellt und mit diesen diskutiert.
Anschließend ist eine Phase der öffentlichen Kommentierung geplant. Die Veröffentlichung des nestor-Kriterienkataloges "Vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive" ist für den Sommer 2006 vorgesehen.

nestor - Weiterbildung
Wie im letzten Newsletter angekündigt, hat das nestor Projekt seine Aktivitäten im Bereich Weiterbildung ausgebaut.
Am 13. Januar fand in der SUB Göttingen ein zweites nestor Seminar statt, das sich in erster Linie an Teilnehmer aus dem Archivbereich richtete: "Einführung in die Langzeitspeicherung und elektronische Archivierung im Archivbereich".

Die Unterlagen zu diesem Seminar, wie auch die Unterlagen zu dem vorangegangenen Seminar "Einführung in die Langzeitarchivierung digitaler Objekte", stehen auf der nestor Homepage zum Download bereit.

Die beiden bisherigen nestor-Seminare wurden als Videos aufgezeichnet. Aus diesen Videos und den Seminar Unterlagen ist eine DVD erstellt worden, die während des Bibliothekartages 2006 der Fachöffentlichkeit vorgestellt werden wird. Die DVD "nestor-Seminare 1+2" (ISBN: 3-938616-41-5) ist im Universitätsverlag Göttingen erschienen und enthält u.a. 6:35 h Videoaufzeichnungen. Sie ist in erster Linie zur Unterstützung der Aus- und Weiterbildung gedacht.

nestor beabsichtigt, die Reihe der nestor-Seminare fortzusetzen.

Die ebenfalls im Universitätsverlag Göttingen erschienene DVD mit den Aufzeichnungen und Materialen der International Conference on Preservation of Digital Objects (iPRES) ist weiterhin über den Verlag zu beziehen (ISBN: 3-938616-27-X).

nestor - Rückblick und Ausblick
Am 30. Juni 2006 endet die Projektlaufzeit des Projekts "nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung".
Einiges wurde seit dem Projektbeginn Mitte 2003 erreicht:
  • die Informations- und Kommunikationsplattform www.langzeitarchivierung.de hat sich zu einer intensiv genutzen Kommunikations- und Informationsplattform mit vielfältigen Angeboten entwickelt
  • intensive Öffentlichkeitsarbeit hat das Bewusstsein für die Bedeutung der Langzeiterhaltung digitaler Ressourcen geschärft
  • die Bearbeitung fachlicher Fragestellungen wurde durch die Veröffentlichung der nestor-Materialien und eines nestor-Ratgebers voran getrieben und
  • die in Deutschland vorhandene Fachkompetenz wurde durch nestor-Aktivitäten wie Arbeitsgruppen, Workshops, Seminare und Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung verstärkt.
Die Projektpartner wollen dafür Sorge tragen, dass die Angebote von nestor fortgeführt und erweitert werden können. Neue Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und der Informationsversorgung müssen die Langzeitverfügbarkeit digitaler Information berücksichtigen.
Dafür will sich nestor auch in Zukunft einsetzen. Deshalb bereiten die Projektpartner zur Zeit einen Folgeantrag vor, der dem Bundesminister für Bildung und Forschung vorgelegt wird.
Einen ausführlichen Rückblick auf die geleistete Arbeit und einen Ausblick auf die anstehenden Aufgaben in der Zukunft wollen die Projektpartner in einer öffentlichen Veranstaltung im Juni 2006 geben.


Informationen zu verwandten Projekten

kopal
Zum Auftakt der CeBIT am 9. März 2006 hat das Projekt kopal eine Reihe von neuen Ergebnissen und Materialien präsentiert und ist damit auf ein sehr positives öffentliches Interesse gestoßen:
  • Die kopal Projekthomepage macht alle Projektinformationen ab sofort auch in Englisch zugänglich.
  • Konzept und Arbeitsablauf des im Aufbau befindlichen Archivsystems veranschaulicht eine teilweise interaktive Flash Animation unter dem Link "kopal-Demonstrator".
  • Eine neue Infobroschüre steht unter "Downloads" zur Verfügung.
  • Unter dem Stichwort "Software" stellt kopal eine erste Version der koLibRI-Software (kopal Library for Retrieval and Ingest) zur Verfügung. Diese Software besteht aus Werkzeugen für Einspeisung und Abfrage von archivierten Materialien und wird im Zusammenspiel mit der kopal-DIAS-Solution der Firma IBM entwickelt. Hier steht eine Dokumentation der Software zur Verfügung - eine englische Version ist in Vorbereitung.
  • Eine ausführliche Dokumentation des im Rahmen von kopal entwickelten Archiv- und Austauschformates ist unter dem Stichwort "Objektspezifikation" abrufbar.
Das Projekt kopal stellt die koLibRI-Software öffentlich zur Verfügung, um anderen Projekten bzw. Entwicklungen eine Nachnutzung zu ermöglichen. Hierbei ist intendiert, dass Gedächtnisorganisationen und andere an der Langzeitarchivierung elektronischer Materialien interessierte Einrichtungen diese Tools analysieren und evaluieren, um zu sehen, ob und inwieweit diese Tools potentiell zur eigenen Software-Architektur bzw. den eigenen Archivierungskonzepten passen. Die Ergebnisse und Aussagen, die sich aus dem Evaluieren und/oder Erproben dieser Software ergeben, werden in die Entwicklung einfließen und an die Öffentlichkeit weitergegeben. Beim derzeitigen Release-Stand der koLibRI-Software liegt noch nicht der vollständige Funktionsumfang vor. Die vollständig entwickelte koLibRI-Software wird zum Ende der Projektlaufzeit, spätestens Mitte 2007, zur Verfügung stehen. Der angebotene Beta-Release wird ohne weiteren Support zum freien Download angeboten. Rückmeldungen zu Erfahrungen mit der Software sollten an folgende E-Mail-Adresse geschickt werden: kolibri@kopal.langzeitarchivierung.de.
Auf dem Bibliothekartag bietet kopal am 23. März 2006 einen Workshop an (Konferenzraum 1, 9:00-10:30 Uhr). Hier werden die Projektpartner Die Deutsche Bibliothek, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung gmbH Göttingen und die Firma IBM vertreten sein. Ergänzt wird das Programm durch die Perspektive eines Anwenders des DIAS: die Koninklijke Bibliotheek (KB), der Nationalbibliothek der Niederlande.

Digitale Langzeitarchivierung auf Mikrofilm
von Roland Dreyer
Die Hüter analoger Kulturgüter in Archiven, Bibliotheken und Museen tun sich überwiegend noch schwer, ihre Schätze einem digitalen Datenspeicher anzuvertrauen. Das liegt in erster Linie an ihren langen Bewahrungshorizonten, die sich nicht in Jahren, sondern in Jahrhunderten messen lassen müssen. In solchen Dimensionen kann die junge digitale IT-Welt gar nicht denken. Solide Konzepte für eine Langzeitarchivierung beschränken sich bislang bestenfalls auf einige Olympiaden, begleitet von mehr oder weniger aufwändigen und teuren Konversionszyklen.
Auf mehrere wartungsfreie Zentenarien ausgelegte Sicherungskonzepte konnte bislang nur der seiner Natur nach analoge Mikrofilm versprechen. In Filmkameras überwiegend als steiler Schwarz-Weiß-Film, in einigen Fällen auch als Farbfilm belichtet, füllt er in großen Filmspulen die Stahlfässer, die seit vielen Jahren sukzessive in den zentralen Bergungsstollen des Bundes in Oberried bei Freiburg eingelagert werden: inzwischen ist Oberried das größte Mikrofilmlager Europas.

Digitalisate lagern im Stollen
Der Einwand der IT-Experten, die digitale Erfassung von Kulturgütern sei doch viel eleganter, kostengünstiger und vorlagenschonender, war für die Archivare chancen- und bedeutungslos, solange die Halbwertszeit der Digitalisate ebenso kurz wie unkalkulierbar war. Doch das wird sich wohl bald ändern: Digitale Mikrofilmbelichter schicken sich an, die Lebensdauer von Digitalisaten jeder Art in stollentaugliche Dimensionen zu bringen. Und dies in einer Qualität, die mit konventioneller Filmbelichtung fast nicht zu erreichen ist. Das gilt speziell für den farbigen Mikrofilm.
Der Farbmikrofilm ist durch seine extrem licht- und alterungsstabilen Azo-Farben nahezu ohne Konkurrenz. Er hat technologisch mit den herkömmlichen Farbfilmen nur sehr wenig gemein und wird weltweit nur noch von Ilford (Schweiz) unter dem Markennamen Ilfochrome produziert.
Sein einziger Nachteil ist der sehr hohe Lichtbedarf in Normlicht C (3200 K): Um eine A2-Vorlage bei der fotografischen Belichtung auszuleuchten, benötigt man stolze 8 kW Lampenleistung und einen robusten Archivar, der seinen wertvollen Vorlagen den damit verbundenen Wärmeeintrag zumutet.

Laser überbrückt den digitalen Spalt
Es gibt derzeit mehrere, teils schon weit fortgeschrittene, teils auch schon marktverfügbare Ansätze, um Digitalisate als analoges Bild oder als maschinell verlustfrei rücklesbaren Flächencode auf farbigen Mikrofilm auszugeben. Am vielversprechendsten sind Mikrofilmplotter auf Laserbasis, weil nur ein RGB-Laser problemlos die hohe Energie pixelgenau aufbringen kann: speziell die Rot-Emulsion stellt beim Ilfochrome-Film hohe Energieansprüche. Diese Ansätze unterscheiden sich im nutzbaren Filmformat (36 mm Rollfilm vs. Planfilme) und der erzielbaren Belichterauflösung. Die technisch machbare Spotgröße des Laserstrahls liegt derzeit bei 3…4 my, entsprechend einer Schreibdichte von rund 8000 ppi.
Allerdings ist derzeit (März 2006) noch nicht geklärt, welches Rauschverhalten der Ilfochrome-Film bei dieser hohen Auflösung zeitigt. Möglicherweise ist die für kleinere Mengen bereits verfügbare Planfilmbelichtung mit 2500 ppi bereits in vielen Fällen ausreichend, denn die teure Farbausgabe macht wohl nur bei besonders wertigen Archivalien Sinn.
Roland Dreyer

Dipl.Ing. Roland Dreyer ist Fachjournalist für angewandte Forschung, Druck- und Archivtechnik.
Das Projekt nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung bietet Fachleuten die Möglichkeit, auf den Stand der Technik sowie gegenwärtige und zukünftige Möglichkeiten einzugehen, Digitalisate für viele Jahrhunderte sicher zu speichern. Der Autor ist dankbar, wenn ihm spezifische Fragestellungen aus der Praxis per E-Mail mitgeteilt werden.


Öffentlichkeitsarbeit / Präsentationen

Veranstaltungen, auf denen nestor vorgestellt wurde:

Veranstaltungen, an denen nestor beteiligt/vertreten sein wird:

nestor Email-Listen

Möchten Sie an der Diskussion um digitale Langzeitarchivierung teilnehmen? Dann subskribieren Sie sich bitte für die folgende Email-Liste:
nestor@langzeitarchivierung.de,
indem Sie eine Mail mit dem Betreff subscribe langzeitarchivierung-nestor an die Adresse lists@langzeitarchivierung.de schicken.
Hier werden wir Ergebnisse zum Beispiel der nestor Workshops mit Ihnen gemeinsam diskutieren.

Haben Sie Fragen an das Projektteam? Dann senden Sie bitte eine Email an die folgende Adresse: info@langzeitarchivierung.de


Newsletter

Der Newsletter wird von den nestor Partnern kooperativ erstellt. Bei inhaltlichen Fragen, Anregungen, Kommentaren zu dem Newsletter schreiben Sie bitte eine Email an:
neuroth@sub.uni-goettingen.de
Bei technischen Problemen schreiben Sie bitte an:
bwendland@cms.hu-berlin.de

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Archiv
Die nestor Newsletter werden auch auf folgender Seite archiviert: http://indi.langzeitarchivierung.de/newsletter/

1. Newsletter vom 18.12.2003
2. Newsletter vom 18.03.2004
3. Newsletter vom 24.08.2004
4. Newsletter vom 18.12.2004
5. Newsletter vom 20.04.2005
6. Newsletter vom 12.08.2005
7. Newsletter vom 15.12.2005
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