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nestor Newsletter 10/2007 [29. Januar 2007]
Begrüßung
Wir freuen uns, Ihnen heute den ersten Newsletter in der zweiten Projektphase des nestor Projektes und den zehnten nestor Newsletter insgesamt präsentieren zu können.
Mit diesem Newsletter möchten wir Sie auf jüngste Entwicklungen im Projekt nestor hinweisen. Daneben können sie sich auch auf der Homepage des Projektes laufend aktuell informieren.


Aktuelle Entwicklungen des Projektes

Weiterführung des nestor-Projekts bis 2009
Seit September 2006 wird die Arbeit von nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in einer zweiten Projektphase (nestor II) fortgeführt. Dadurch ist gewährleistet, dass Bibliotheken, Archive und Museen auch weiterhin gemeinsam Lösungen und Vorgehensweisen zum Thema Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit digitaler Ressourcen entwickeln. Als Nachfolger von Hans Liegmann übernahm im vergangenen Jahr Dr. Mathias Jehn die Koordination des Kompetenznetzwerks.

Auf der Basis der bereits erreichten Leistungen werden sich bis 2009 folgende Partner an dem Verbundsprojekt beteiligen:
  • Deutsche Nationalbibliothek (DNB),
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB),
  • Bayrische Staatsbibliothek München (BSB),
  • Computer- und Medienservice und Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB),
  • Bundesarchiv (BArch),
  • Institut für Museumsforschung (IfM),
  • Fernuniversität in Hagen (FUH).
Fortführung und Ausbau der Projektziele von nestor
Im Laufe der ersten Projektphase von 2003 bis 2006 ist allgemein die Erkenntnis über die Notwendigkeit einer nationalen Plattform zur Erhaltung der digitalen Ressourcen und der Bedarf für kooperative Aktivitäten in unterschiedlichen Communities weiter gewachsen (vgl. dazu auch die von nestor gepflegte Liste der Langzeitarchivierungsprojekte). Neben den bereits etablierten und vielfältig genutzten Diensten, wie z. B. der Bereitstellung von Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ist das Aufgabenspektrum von nestor in der zweiten Projektphase erheblich erweitert worden.
Zu den neu hinzugekommenen Aufgaben gehört bspw. die Vernetzung der Bereiche e-Science, Grid-Computing und Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen.
Als ein weiteres Schwerpunktthema wird in nestor die Standardisierung auf dem Gebiet der Langzeitarchivierung weitergeführt werden, weil diese Aufgabe nur national und kooperativ im Verbund gelöst werden kann. Außerdem soll in den nächsten Jahren dem vermehrten Aus- und Weiterbildungsbedarf in Deutschland auf dem Gebiet der Langzeitarchivierung Rechnung getragen werden. Aktuell wird damit begonnen, ein Konzept für ein Aus- und Fortbildungsangebot in Zusammenarbeit mit bestehenden Hochschuleinrichtungen zu entwickeln.
Durch die Bildung weiterer Arbeitsgruppen wird der Austausch von Wissen, Erfahrungen und Anforderungen auch auf weitere Felder ausgedehnt werden. Dadurch sind nationale und internationale Absprachen und Synergieeffekte zu erreichen und wird Expertenwissen weiter verbreitet.
Mit den neuen Aufgaben ist eine Grundlage geschaffen, das nestor-Projekt als deutsches "Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung" national und international dauerhaft zu verankern. Das Projekt wird am Ende der Laufzeit in eine dauerhafte Organisationsform überführt.
Als neuer Projektpartner konnte die Fernuniversität in Hagen gewonnen werden, die insbesondere in den Bereichen e-Science und Grid-Computing weitreichende Kompetenzen vorweisen kann. Der Schwerpunkt der nordrhein-westfälischen Fernuniversität in Hagen liegt u.a. auf den neuen Technologien für die Wissensgesellschaft. Mit CampusContent beherbergt und leitet die FUH das DFG-Leistungszentrum für Forschungsinformation, Wissensgesellschaft und Internet. In den Bereichen Bildung und Medien, sowie Medienforschung finden Forschung und Entwicklung zum Themenfeld "Modernes netzgestütztes Fernstudium" statt. Als Forschungscluster sind derzeit darüber hinaus an der Fernuniversität etabliert:
  • Technology Enhanced Learning and E-Education
  • Knowledge based Virtual Collaboration Environments
  • Intelligent Systems for Decision Support
  • Media in the Knowledge Society
  • Embedded Computer Systems
  • Software Engineering
  • Long Term Preservation of Digital Objects.
Das Lehrgebiet "Multimedia und Internetanwendungen" von Prof. Dr.-Ing. Matthias L. Hemmje beschäftigt sich mit der Erforschung und Entwicklung von Technologien zur Erstellung, Wartung und Pflege von web-basierten Benutzungsschnittstellen für verteilte, kollaborative, und wissensbasierte Informationssysteme, digitale Bibliotheken und Multimedia-Archive. Im Rahmen seines Lehrgebiets ist er u.a. als Mitglied im Forschungscluster Langzeitarchivierung Digitaler Objekte der Fernuniversität in Hagen tätig.

Neue nestor Arbeitsgruppen
Zu Beginn der zweiten Projektphase wurden auch weitere nestor AGs initiert:
AG Standards für Metadaten, Transfer von Objekten in digitale Langzeitarchive und Objektzugriff
Standards sind ein wesentlicher Baustein, um Interoperabilität und Vertrauenswürdigkeit zu erreichen. Sie erleichtern, fördern und sichern die breite Bewahrung des digitalen Kulturguts. Die AG wird im Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung die inhaltliche Arbeit zur Etablierung von Standards bündeln und durchführen. Verschiedene Communities und ihre Interessen werden dafür berücksichtigt und bestehende Ansätze und Lösungen kritisch geprüft.
AG Vernetzung e-Science und Langzeitarchivierung
eScience steht für kollaborativ und gleichzeitig verteilt betriebene Wissenschaft, ermöglicht durch modernste Infrastruktur. eScience in Verbindung mit Grid-Technologie erfordert aufgrund eines hohen Datenaufkommens und großer technischer Veränderungen besondere Lösungen im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung. Umgekehrt könnte diese Technologie ein großes Potential für die Implementierung von Langzeitarchivsystemen haben. Die Aufgabe der AG ist es, dieses neue Gebiet mit seinen Chancen und Risiken zu skizzieren und eine Roadmap zu seiner Erschließung sowie zur Gridifizierung von Archivsystemen aufzustellen.

nestor Spring School
Das nestor Team freut sich eine mehrtägige Fortbildungsveranstaltung, die nestor Spring School 2007, ankündigen zu können.
Gemeinsam mit Vertretern verschiedener Hochschulen, wird nestor vom 11.-15. März 2007 die nestor Spring School "Einführung in die digitale Langzeitarchivierung" in Gernrode/Harz durchführen.
Die Veranstaltung wird von den Projekten Digital Preservation Europe (DPE) und DELOS unterstützt.
Den Teilnehmern der nestor Spring School wird ein grundsätzliches Verständnis für die Fragen der digitalen Langzeitarchivierung vermittelt und Lösungsmöglichkeiten für die vielfältigen Herausforderungen aufgezeigt. Daneben ist die Veranstaltung ein idealer Rahmen um Kontakte und Netzwerke auf- und auszubauen, da die Teilnehmer mit am Thema interessierten Studenten, Kollegen, Praktikern und Forschern zusammenkommen und gemeinsam mehrere interessante Tage verbringen werden.
Als Referenten, die wie alle Teilnehmer ebenfalls für den gesamten Zeitraum präsent sind, konnte eine Reihe bedeutender Experten gewonnen werden.
Zum Abschluss der nestor Spring School erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat mit dem die Teilnahme betätigt wird.

"Kriterienkatalog Vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive" jetzt auch in englischer Sprache
Die nestor Arbeitsgruppe "Vertrauenswürdige Archive - Zertifizierung" hat im Dezember 2006 die englische Fassung ihres Kriterienkataloges veröffentlicht. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt um die Arbeit von nestor international einzubringen und bekannt zu machen. Seit seiner Veröffentlichung im Sommer 2006 hat der nestor Kriterienkatalog auch international eine breite Anerkennung erfahren. So dient er derzeit als Grundlage für verschiedene internationale Aktivitäten wie bspw. die Beteiligung von nestor an der internationalen Standardisierung über die ISO.

nestor, CRL, DCC und DPE verabschieden Prinzipien für vertrauenswürdige Digitale Langzeitrchive
Auf einem gemeinsamen Treffen am 15. und 16. Januar 2007 in Chicago haben sich die an dem Thema Vertrauenswürdigkeit digitaler Langzeitarchive international arbeitenden Gruppen nestor, CRL (Center for Research Libraries) sowie DCC (Digital Curation Center) und DPE (Digital Preservation Europe) ausgehend von dem nestor-Kriterienkatalog sowie der Audit and Certification Checklist der RLG/NARA-Task Force auf die Formulierung von zehn gemeinsamen Prinzipien für die Vertrauenswürdigkeit von Langzeitarchiven geeinigt. Diese stellen die Basis der praktischen Zusammenarbeit der Gruppen in Richtung abgestimmter Verfahren der Evaluierung, Aus- und Fortbildung bis hin zur Standardisierung dar.

Nachbericht DIN-Workshop zur LZA
Die unmittelbare Notwendigkeit einer nationalen Standardisierung auf den Gebieten der Langzeitarchivierung und Digitalisierung setzt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken, Archiven, Museen und weiteren Organisationen aus dem Umfeld der Fachwissenschaften und der Medien voraus. Aus diesem Grund veranstalteten die Deutsche Nationalbibliothek (DNB), nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit Digitaler Ressourcen für Deutschland und die Innovation mit Normen und Standards (INS)-Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi) und des Deutschen Instituts für Normung e. V. (DIN) am 2. und 3. November 2006 in Frankfurt am Main einen Workshop, der sich dem Normierungs- und Standardisierungsbedarf in den genannten Gebieten widmete. Die Diskussionen der Workshop-Teilnehmer sollten, so das Ziel der Veranstalter, zu möglichst konkreten Empfehlungen führen. Die erreichten Workshop-Ergebnisse liefern eine geeignete Grundlage, den Herausforderungen einer zunehmend digitalen Welt der kommenden Jahre mit tragfähigen Konzepten und konsensgestützten Vereinbarungen zu begegnen.
Die rege Beteiligung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, dass die Institutionen die Notwendigkeit von normierten und zertifizierten Standards als sehr wichtig erachten. An dem zweitägigen Workshop nahmen insgesamt 50 Experten aus 29 Institutionen aus dem deutschsprachigen Raum teil. Darüber hinaus belegt der Workshop, dass die INS-Initiative der geeignete Rahmen für die angestrebten Standardisierungsaktivitäten von nestor ist. Die Initiative bietet eine Plattform, die die deutschen Gedächtnisorganisationen noch stärker in den europäischen Kontext einbindet und die nationalen Interessen konkurrenzfähiger macht. Die vorgeschlagenen Handlungsschritte und Maßnahmen der ca. 50 Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum und den beiden Vertretern des DIN gelten gleichermaßen für die Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen wie für die Bereiche der Digitalisierung und digitalen Sammlungen. Auf der Basis des gegenwärtigen Standardisierungsbedarfs werden mit Unterstützung der INS-Initiative bis Ende Januar 2007 erste Vorhaben beschrieben und weitere Anstrengungen in Richtung konkreter Normierungsverfahren umgesetzt. Die zweite Projektstufe des Normierungsprozesses befindet sich derzeit noch im Genehmigungsverfahren beim INS.

Herausforderung: Digitale Langzeitarchivierung - Strategien und Praxis europäischer Kooperation
Warum müssen sich deutsche Bibliothekarinnen und Bibliothekare zunehmend auf europäischer Ebene mit der Archivierung von elektronischen Ressourcen beschäftigen? Welche unterschiedlichen Perspektiven der Langzeitarchivierung digitaler Objekte gibt es überhaupt in Europa? Solche und ähnliche Fragen werden ca. 350 EU-Politiker, Fachleute und Interessenten am 20. und 21. April 2007 auf einer internationalen Konferenz diskutieren, die die Deutsche Nationalbibliothek, nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung - und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unter dem Motto "Herausforderung: Digitale Langzeitarchivierung. Strategien und Praxis europäischer Kooperation" im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands in Frankfurt am Main veranstalten.
In der zweitägigen Veranstaltung wird der technische und organisatorische Stand zur digitalen Langzeitarchivierung großer europäischer Nationalbibliotheken präsentiert und in den Kontext der verschiedenen Strategien zur Erhaltung des kulturellen und wissenschaftlichen Erbes gestellt. Darüber hinaus werden am ersten Kongresstag weiterführende Fragen behandelt: Welche kooperativen Projekte zur digitalen Langzeitarchivierung laufen derzeit in Europa und welche Ziele verwirklichen diese Bestrebungen? Auf welcher Ebene setzt die Sicherung der digitalen Ressourcen in den Ländern an, wenn von Schlüsselbegriffen wie "Policy", "Nachhaltigkeit", "nationale und internationale Netzwerkbildung" sowie von "Standardisierung" gesprochen wird? Die zentralen Inhalte des zweiten Kongresstages sind: "Kriterien für Vertrauenswürdigkeit", und "Standards", sowie "Arbeitsprozesse und Werkzeuge". In der anschließenden Podiumsdiskussion werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der behandelten Themen herausgearbeitet, Möglichkeiten zur Nachnutzung genannt und der weitere Handlungsbedarf für die digitale Langzeitarchivierung in Europa formuliert. Eine abschließende Diskussion bündelt und bewertet die in der Konferenz behandelten kooperativen Ansätze und stellt die Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen in einen gesamteuropäischen Kontext.


Informationen zu verwandten Projekten
Gastbeiträge geben die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen Autors wieder. Die Verantwortung für den Inhalt des Beitrags trägt die Autorin / der Autor.


Kopal
Das kopal-Langzeitarchiv konnte seit der Aufnahme des Produktivbetriebs im August 2006 Erfahrungen mit dem Einspielen von Daten in das Archivsystem sammeln. Das Archiv basiert auf der Archivsoftware DIAS von IBM und wird bei der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) betrieben. Zu den bereits von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) archivierten Materialien zählen umfangreiche Sammlungen von Hochschulschriften und Online-Publikationen wie elektronische Monographien und Zeitschriften. Ergänzend führt eine inzwischen geschaffene Datenbank über die eingespielten Objekte Buch. Eine erste Darstellung des Servicekonzeptes von kopal, zusammen mit Beispielszenarien, ist für Frühjahr dieses Jahres geplant. Dieses Angebot richtet sich an andere Kulturerbeeinrichtungen, die eine Langzeitarchivierung digitaler Daten benötigen, und wird anhand von Kundenanforderungen und Praxiserfahrungen iterativ weiterentwickelt. Die Zusammenarbeit mit Interessenten am Archivsystem ist durch erste Tests inzwischen intensiviert worden.

In Kürze veröffentlicht das Projekt kopal ein neues Release der gemeinsam von den Projektpartner DNB und SUB entwickelten Open Source-Softwarebibliothek koLibRI (kopal Library for Retrieval and Ingest). Diese für die Verarbeitung und Einspielung von Dokumentenklassen entwickelten Module sind seit der ersten Version 0.5 von Frühjahr 2006 stetig erweitert und verbessert worden. Die neue koLibRI-Version lässt sich nun effizient konfigurieren und kann mehrere Objekte gleichzeitig bearbeiten.
Hinzu gekommen sind außerdem zusätzliche Module wie beispielsweise zum Bearbeiten und Korrigieren von TIFF-Image-Headern und zur Überprüfung der UTF-8-Validität. Solche Module sind insbesondere für Digitalisierungsprojekte von hoher Relevanz: Hier wird typischerweise vor einer Lieferung von Daten eine Qualitätskontrolle nötig, damit eine zuverlässige Archivierung und spätere Migration der Daten sichergestellt werden kann.
Diese Weiterentwicklungen wurden insbesondere auf dem Arbeitstreffen der DIAS-User-Group vorgestellt, das im Oktober 2006 in Göttingen stattfand. In dieser Arbeitsgruppe, die kopal zusammen mit der Königlichen Bibliothek der Niederlande etabliert hat, besteht ein reger Austausch zu Fragen der DIAS-Nutzung und zu Entwicklungen im Bereich Datenformate und Metadatenstandards sowie Langzeitarchivierungsmaßnahmen (Migration, Emulation).

kopal wird im Frühjahr 2007 auf einigen Veranstaltungen präsent sein und dort zu den gesammelten Erfahrungen sowie den in Vorbereitung befindlichen Services berichten:
Autor: Birgit Schmidt

ArchiSafe - Langzeitspeicherung elektronisch signierter Dokumente
Im Rahmen des von BundOnline unterstützten Projekts ArchiSafe wurden Grundlagen für die rechtssichere Langzeitspeicherung elektronisch signierter Dokumente über mehrere Jahrzehnte entwickelt und in Form eines Prototyps in die Praxis umgesetzt.
Der Aufbau moderner Verwaltungsstrukturen geht mit der Einführung elektronischer Akten einher, die zwar den ungehinderten und schnellen Austausch von Daten und Informationen zwischen den Verwaltungseinheiten unterstützen, aber auch leicht und unbemerkt manipuliert werden können. Fortschritte im eGovernment mit elektronischen Akten erfordern die Sicherstellung von Authentizität und Integrität sowie die Vertraulichkeit und Vollständigkeit der digitalen Unterlagen. Für eine solche elektronische Dokumenteninfrastruktur, häufig in Verbindung mit Signaturen, ist auch ein adäquates elektronisches Archiv notwendig.

Die Entwicklung eines solchen Archivsystems ist das Ziel des PTB-Projektes ArchiSafe, das im Rahmen der eGovernment-Initiative BundOnline entstanden ist. ArchiSafe unterstützt dabei die Einführung bundeseinheitlicher Standards für die rechts- und revisionssichere Langzeitspeicherung elektronischer Dokumente. Es wurde unter der Bezeichnung ARS (ArchiSafe Recordkeeping Strategy) ein XML-Datenaustauschformat für elektronische Dokumente inklusive Meta- und Signaturdaten entwickelt. Bei Dokumenten, die in proprietären Formaten und ohne Metadaten gespeicherte werden, ist die Lesbarkeit nach mehreren Jahrzehnten nicht mehr sicher. ArchiSafe empfiehlt daher, als Formate offene Standards (z.B. PDF/A) zu verwenden sowie alle zum Dokument gehörenden Metadaten mit abzuspeichern.

Auf der Grundlage eines bereits veröffentlichten Fach- und Datenverarbeitungskonzeptes wurde ein voll funktionsfähiger rechtssicherer Langzeitspeicher als Pilotsystem implementiert. Als Ablagemedien kommen Festplattenspeicher zum Einsatz, die im Vergleich zu den bisher häufig in Umfeld der Archivierung anzutreffenden Medien (CD, DVD, Magnetbänder) einen schnelleren Zugriff auf die Archivdaten erlauben. Bei der ersten praktischen Anwendung in der PTB werden in SAP erstellte Zertifikate von Bauartzulassungen langzeitgespeichert. Für diese Dokumente gelten Aufbewahrungsfristen von mindestens 30 Jahren. Bei elektronisch signierten Dokumenten geschieht die Signaturerneuerung nach dem ArchiSig-Konzept, bei dem zu den archivierten Dokumenten jeweils einen Hashwert berechnet wird, der die Dokumente nahezu eindeutig kennzeichnet. Die Hashwerte werden in Form eines binären Hashwert-Baumes in der Archiv-Datenbank abgelegt. Anschließend wird dem obersten Hashwert ein Zeitstempel zugeordnet, damit zu einem späteren Zeitpunkt die Unversehrtheit der archivierten Dokumente nachgewiesen werden kann. Im Unterschied zur Archivierung auf WORM-Medien bietet dieses Verfahren den Vorteil, dass ein späteres Löschen von archivierten Dokumenten, z.B. aus datenschutzrechtlichen Gründen, und die Erstellung eines so genannten Beweisdokumentes zur Vorlage beim Gericht problemlos möglich ist.

ArchiSafe wurde beim 6. eGovernment-Wettbewerb für Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen in der Kategorie "Inno-vativster Technikeinsatz" mit dem 1. Platz ausgezeichnet. Die Preisverleihung des Wettbewerbs, der unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministers steht, fand am 8. September 2006 in Berlin statt.
Autor: Tobias Schäfer

Erste Phase des Projekts "Digitales Archiv" am Bundesarchiv in Koblenz abgeschlossen
Am Bundesarchiv in Koblenz wurde Ende 2006 ein Pilotsystem für ein digitales Archiv installiert und gestestet. Dieser Testlauf war die erste Phase des Projekts "Digitales Archiv", an dessen Ende 2010 ein OAIS-konformes digitales Archiv zur Erhaltung und Nutzung von digitalem Archivgut in Betrieb gehen soll.

Da in den Bundesbehörden die Umstellung von einer papiergebundenen Aktenführung hin zu elektronischen Vorgangsbearbeitungssystemen immer weiter fortschreitet, braucht das Bundesarchiv Konzepte und Lösungen für den Umgang mit digitalen Schriftgut. Das Bundesarchiv hat den gesetzlichen Auftrag, die Unterlagen der Bundesbehörden zu sichern und dauerhaft verfügbar zu halten, soweit ihnen bleibender Wert zukommt. Dies schließt Akten aus elektronischen Vorgangssystemen mit ein. Deshalb war ein Hauptaugenmerk des Piloten auf die Abbildung der archivischen Prozesse der Bewertung und der Aussonderung von Akten gerichtet.

Der Geschäftsprozess des Pilotarchivs wurde in der Vorphase des Tests von Mitarbeitern des Bundesarchiv entworfen. Zusätzlich entstanden auch die XML-Schemata XARCHIV und XBARCH. XARCHIV baut auf dem Standard XDOMEA auf, mit dem Metadaten und Dokumente zwischen Behörden ausgetauscht werden sollen. So wie XDOMEA dem Datenaustausch von Behörde zu Behörde dient, wurde das erweiterte Schema XARCHIV für den geregelten Austausch von der Behörde ins Archiv konzipiert. Das XML-Format XBARCH dient der Langzeitspeicherung und verknüpft die inhaltlichen Metadaten aus den Vorgangsbearbeitungssystemen der Behörden mit den Langzeitarchivierungsmetadaten gemäß dem ISO-Standard OAIS.

Die technische Umsetzung des digitalen Archivs unterstützten die Firmen Kayser Threde und ikeep, die eine Speicherlösung, eine Archivdatenbank und eine Spezielle Software zum Steuern des Geschäftsgangs und Datenaustausches (Business Process Management Server) bereitstellten. Das Pilotarchiv bildete das 4-stufige Aussonderungsverfahren gemäß des DOMEA-Aussonderungskonzepts ab. Das Verfahren umfasste die Schritte Anbieten und Bewerten, Übernahme und Speicherung.

Der nächste Meilenstein des Projekts im Jahr 2007 ist die Ausschreibung eines Produktivsystems. Ende des Jahres soll das digitale Archiv seinen Betrieb aufnehmen. Zusätzlich hat das Bundesarchiv den Auftrag zur Schaffung einer EfA-(Einer-für-Alle)-Dienstleistung von der KBSt erhalten. Ziel ist die Entwicklung eines "Standard-Archivierungs-Moduls" (SAM), mit dessen Hilfe der Austausch von Metadaten zwischen den Behörden und den Archiven gesteuert werden kann.


Öffentlichkeitsarbeit / Präsentationen

Veranstaltungen, auf denen nestor vorgestellt wurde:

Veranstaltungen, an denen nestor beteiligt/vertreten sein wird:

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nestor@langzeitarchivierung.de,
indem Sie eine Mail mit dem Betreff subscribe langzeitarchivierung-nestor an die Adresse lists@langzeitarchivierung.de schicken.
Hier werden wir Ergebnisse zum Beispiel der nestor Workshops mit Ihnen gemeinsam diskutieren.

Haben Sie Fragen an das Projektteam? Dann senden Sie bitte eine Email an die folgende Adresse: info@langzeitarchivierung.de


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Der Newsletter wird von den nestor Partnern kooperativ erstellt. Bei inhaltlichen Fragen, Anregungen, Kommentaren zu dem Newsletter wenden Sie sich bitte an:
Stefan Strathmann
Bei technischen Problemen wenden Sie sich bitte an:
Florian Seffler

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Archiv
Die nestor Newsletter werden auch auf folgender Seite archiviert: http://indi.langzeitarchivierung.de/newsletter/

1. Newsletter vom 18.12.2003
2. Newsletter vom 18.03.2004
3. Newsletter vom 24.08.2004
4. Newsletter vom 18.12.2004
5. Newsletter vom 20.04.2005
6. Newsletter vom 12.08.2005
7. Newsletter vom 15.12.2005
8. Newsletter vom 21.03.2006
9. Newsletter vom 30.06.2006
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